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Sonntag, 22. April 2007

frankreich, die spö und christlicher marxismus

ad 1:
frankreich schickt ségolene royal und nicolas sarkozy in die stichwahl ums präsidentenamt. ganz ohne überraschung und so, wie es schon vor monaten erwartet worden war. die 11 prozent für jean-marie le pen schrecken nicht wirklich, immerhin waren das beim letzten mal um die 17. und es gibt ja auch andere länder, wo 11 prozent die extreme rechte wählen …

ad 2:
die spö wien macht etwas interessantes. nicht, dass ich mich bisher wahnsinnig in die wiener stadtpolitik vertieft hätte – die meisten infos dazu beziehe ich aus dem blog von christoph chorherr –, aber routinierte verwaltungs- und machtpolitik haben meinen eindruck bisher bestimmt. da tut etwas frischer wind gut: die spö möchte öffi-tarife sozial staffeln, bis hin zur freifahrt für sozial besonders schwache. nicht schlecht, kann mich erinnern, ähnliche vorschläge schon mal bei den grünen gehört zu haben (im zuge eines umfassenden grundsicherungskonzepts, wo mobilität auch einbezogen wurde). es steht allerdings zu befürchten, dass diese position nicht gerade populär ist (stichwort kronen zeitung). aber die spö wien könnte sich ein paar unpopuläre entscheidungen schon leisten …

ad 3:
mein chorkollege nils hat mich heute zu einer aufführung der nicaraguanischen „misa campesina“ im studentenviertel ålidhem geschleppt (mp3s hier – runterscrollen notwendig). die musikalische vortrag war mangelhaft, aber enthusiastisch. und die texte eine gehörige portion befreiungstheologie, zumindest soweit ich das aus dem spanischen ins schwedische übersetzte verstehen konnte. da wird gesungen vom „arbeitergott“, da wird „solidarität“ beschworen, da wird im kyrie gebetet, dass christus seine zuneigung nicht der „unterdrückenden klasse, die ihr land für einen dollar verkauft“ schenken möge, da werden die beklagt, die im gefängnis oder exil weilen, da werden in guter arbeitertradition der architekt, der ingeneur, der maurer etc. besungen …
und das beste: im lied zum credo wird pontius pilatus doch glatt als „römerimperialist“ beschimpft. wenn da nicht erinnerungen wach werden an … ja woran denn?

operation gelungen, patient … ?

die övp hatte zu ihrem parteitag fünf blogger eingeladen. das war mutig, besonders, weil man von bloggern erwarten kann, dass sie subjektiver, daher vielleicht noch kritischer sind, als print oder tv-journalisten. wenn man die beiträge der fünf herren (gibt es eigentlich keine relevanten polit-bloggerinnen?) liest, dann bestätigt sich diese vermutung:

helge.at
georg pichler
tom schaffer
lost and found
sierralog

wie in den vorbemerkungen dieser fünf zu lesen ist, herrschte durchaus skepsis über die sinnhaftigkeit solch einer aktion. instrumentalisierung ist ja nicht ausgeschlossen.

aber: mein erster gedanke ist, dass solch eine berichterstattung für alle beteiligten vorteile bringen kann. nicht in gleichem maß, und nicht immer so wie gewünscht, aber in gewissem sinne können alle davon profitieren:

+ die blogger: hier ist es am einfachsten, die pluspunkte zu nennen. es gibt öffentliche anerkennung, verstärkte wahrnehmung, die möglichkeit zur vernetzung mit anderen, …

+ die leserInnen: aus meiner sicht ist es 17mal interessanter, in ein paar blogs die sehr subjektiven statements und kommentare von kritischen geistern zu lesen, als die ewig gleiche mediale berichterstattung zu verfolgen. nicht das eines das andere ersetzen könnte. aber für interessierte leserInnen bietet die sichtweise der blogger einen eindeutigen mehrwert. von den grünen her kenne ich parteitage als meist gepflegt langweilige veranstaltungen, wo man viele interessante menschen treffen kann. das bild vom övp-parteitag war dann doch ein bissl anders, als ich es mir vorgestellt hab. die sichtweise der blogger kann das bild, dass man über sonstige kanäle empfängt, sinnvoll vervollständigen.

+ die partei: nun könnte man meinen, die övp wird nicht glücklich sein über die skeptischen bis vernichtenden kommentare. andererseits: viel verlieren kann die partei dabei auch nicht. der eindruck, den alle blogger teilten, war, dass sich nicht wirklich grandios viel verändert in der övp. außerdem ist bekannt, dass blogleserInnen den blogs zugeneigt sind, deren politische auffassung sie grundsätzlich teilen können. wer schon vor dem övp-parteitag einen blick in die fünf blogs getan hat, dem war klar, dass es sich hierbei um leute handelt, die keineswegs övp-nahe sind. aber: für die övp ist es eine möglichkeit, sich als offen für kritische stimmen zu zeigen – etwas, das von allen fünf bloggern zurecht honoriert wird. bleibt zu hoffen, dass diese aktion kein strohfeuer war, sondern zu mehr vernetzung zwischen politik und online-community führt. interessantes dazu von den betroffenen: hier und hier.

p. s.: in einem mittelguten hinspiel im uefa-cup-finale unterliegt umeå ik trotz leichter überlegenheit den damen von arsenal. spielbericht hier, windig wars – auch auf der tribüne.

laurenzennser

„Nationalökonomie ist, wenn die Leute sich wundern, warum sie kein Geld haben.“ (Kurt Tucholsky)

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laurenz ennser, *1982
• studienassistent institut f. soziologie (uni wien) • student (politikwissenschaft)
• gemeinderat (langenlois/nö)

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