[>>]

Mittwoch, 7. Mai 2008

von der unmöglichkeit, die eigene ohnmacht einzugestehen.

amstetten. bisher eher bekannt vom vorbeifahren mit westbahn oder auf der A1, ist die stadt im mostviertel zum zentrum weltweiter medialer berichterstattung geworden. zumindest für ein paar tage. durch das, was unter dem namen „amstetten“ heute subsumiert wird, drängen sich viele unbequeme fragen auf. die unbequemste von allen ist:

hätte das alles verhindert werden können?

das spezifisch unbequeme an dieser frage liegt in der antwort, die sie evoziert. nein, unmenschlichkeit mit intelligenz und despotismus verbunden werden immer wieder zu solchen untaten führen können. keine noch so gut überwachte, aufgeklärte, offene gesellschaft kann sie verhindern.

und trotzdem gibt es einen seltsamen zwang zur tat, eine eigenartige dynamik, deren opfer politikerInnen in solchen situationen werden. im angesicht des unvorstellbar schrecklichen ist die menschliche vernunft, ja jede art von regung überfordert. weil aber irgendeine art des umgangs mit der grausamen wirklichkeit gefunden werden muss, setzt man ersatzhandlungen. da werden strafen verschärft, tilgungsfristen verlängert, behörden unter die lupe genommen. hektische betriebsamkeit tritt an die stelle der ohnmacht, die einen erfasst, und die einen eingestehen lassen müsste, dass auch grausamkeiten jenseits der eigenen vorstellungskraft nicht verhinderbar sind.

der vergleich hinkt zwar, aber ähnliches ist nach 9/11 in den usa passiert. die paralysierte öffentlichkeit braucht irgendeine art von ersatzhandlung, um mit der ohnmacht gegenüber dem terror nicht allein zu sein. der druck zu handeln, nur damit irgendetwas – nämlich egal was – passiert, ist enorm. das ergebnis ist bekannt.

bei aller unterstützung für jede sinnvolle maßnahme, die in der folge von amstetten jetzt getroffen wird: kaum ein gesetz wird derartiges aus einer gesellschaft verbannen können. gegenüber solcher grausamkeit ist eine gesellschaft ohnmächtig.

laurenzennser

„Nationalökonomie ist, wenn die Leute sich wundern, warum sie kein Geld haben.“ (Kurt Tucholsky)

who?

laurenz ennser, *1982
• studienassistent institut f. soziologie (uni wien) • student (politikwissenschaft)
• gemeinderat (langenlois/nö)

suche

 

recent contributions

Mein Gott...das ist echt...
Mein Gott...das ist echt eine schreckliche Geschichte...
Irene Coole Spiele (Gast) - 7. Dez, 15:11
krems und die scheinheiligkeit.
in krems, meiner schulstadt, ist was passiert. zwei...
laurenzennser - 9. Aug, 01:37
hi freaks.
wenige wochen nach der ep-wahl haben sich die fraktionen...
laurenzennser - 19. Jul, 20:33
Das perfideste an diesem...
Das perfideste an diesem komischen Protest ist ja,...
Mathias (Gast) - 14. Jul, 13:07
schwerer denkfehler
lieber laurenz, tut mir leid, aber ich seh' einfach...
Michael Bauer (Gast) - 7. Jul, 13:18
also mal halblang
man muss schon differenzieren: dass ö eine (viel)...
laurenzennser - 7. Jul, 10:33
spiel-satz-sieg für...
also über diesen beitrag muss ich mich schon sehr...
Michael Bauer (Gast) - 6. Jul, 20:20
free access to bullshit.
die nächste novelle zum universitätsgesetz...
laurenzennser - 6. Jul, 17:55

Credits

vi knallgrau GmbH

powered by Antville powered by Helma


xml version of this page

twoday.net AGB