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die relativität von gemeinsamkeiten.

ok, vergessen wir einmal kurz, dass heute leider der falsche kandidat gewonnen hat. lassen wir auch beiseite, dass es in umeå noch immer keine zweistelligen plusgrade hat, und es morgen auch noch regnerisch werden soll. vergeuden wir unsere aufmerksamkeit auch nicht mit den pokerspielen von norbert darabos.

beschäftigen wir uns mit etwas wirklich interessantem:
die hervorragende zeit hat kürzlich eine serie über skandinavien begonnen. und in dem artikel „diese netten dänen“ werden zwei ganz zentrale aspekte internationaler vergleiche angesprochen: zum einen die tatsache, dass man positives stärker gewichtet als negatives, und zum zweiten, dass die übertragbarkeit von maßnahmen von einem land auf ein anderes zumeist sehr relativ ist.

besonders einleuchtend ist das natürlich aus der perspektive deutschlands, das als weltwirtschaftsmacht und über-80-millionen-staat schon ganz andere grundvoraussetzungen hat, mal abgesehen von kleinigkeiten wie der wiedervereinigung, die dann vergleiche fast komplett hinfällig macht.

in den genau vier monaten seit meiner ankunft sind mir ähnliche begebenheiten oft untergekommen. zuerst ist man fasziniert von einem ort, an dem vieles anders, aber vieles auch sehr ähnlich ist. besonders erstaunlich, dass die verständigung mit studenten aus der halben welt wohl deshalb mühelos klappt, weil sich alle in einer mehr oder weniger ähnlichen lebensphase befinden. gemeinsam im ausland studieren verbindet, da können die kulturellen differenzen noch so groß sein.

vielleicht hat auch das dazu beigetragen, dass rechte rülpser, die ich früher versucht habe zu meinem eigenen wohlbefinden geflissentlich zu ignorieren, mir mittlerweile unangenehmer denn je aufstoßen.

aber zurück zum thema: was in schweden supergut funktioniert, klappt in österreich deswegen noch lange nicht – und vice versa. vielmehr bestimmt nämlich das, was sozial akzeptiert ist, politisches und wirtschaftliches, öffentliches und privates handeln. und dass es da große unterschiede geben kann, zeigt sich immer wieder an kleinen beispielen. trunkenheit in der öffentlichkeit etwa ist für politikerInnen in schweden – mit ganz, ganz wenigen ausnahmen – ein karrierebeendendes verhalten, während das eine oder andere achtel/krügerl in österreich im wahlkampf nicht fehlen darf.

hintergrund dieses beispiels ist natürlich eine vollkommen unterschiedliche trinkkultur. einer der großen vorteile, aus einer weinbauregion zu stammen, ist der, den gepflegten umgang mit alkohol als genussmittel relativ selbstverständlich kennengelernt zu haben. dagegen befürworten die schweden ihr selbst aufterlegtes alkoholmonopol mit großer mehrheit, weil ja auch so schon unmengen getrunken werden …

so betrachtet relativiert sich vieles – der blick von außen auf die heimat wird sicher differenzierter, der blick auf die neue umgebung aber auch kritischer mit der zeit.

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laurenzennser

„Nationalökonomie ist, wenn die Leute sich wundern, warum sie kein Geld haben.“ (Kurt Tucholsky)

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laurenz ennser, *1982
• studienassistent institut f. soziologie (uni wien) • student (politikwissenschaft)
• gemeinderat (langenlois/nö)

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