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Donnerstag, 25. Oktober 2007

ausländer für strache: es gibt sie.

es ist leider ein wenig untersuchtes phänomen, das sich bis jetzt eher an einzelnen beobachtungen und allgemeinen vermutungen diskutieren lässt, als dass man hartes datenmaterial zur verfügung hätte: aber es gibt sie, die serbischen, bosnischen und türkischen einwanderer, die fpö wählen. und nach meiner meinung sind es mehr, als man annehmen möchte.

das wie immer exzellente datum bringt im november eine titelgeschichte zu dem thema.

und auch wenn es nicht nur auf den ersten, sondern auch auf den zweiten blick paradox erscheint: es gibt gute gründe dafür, dass sich besonders junge migranten von straches gehabe angesprochen fühlen. erstens greift er, wie alle populisten, bewusst die unzufriedenheit der unterprivilegierten auf. zweitens passt seine macho-rhetorik zuweilen ganz gut in milieus, in denen ein traditionelles rollenbild noch stark ausgeprägt ist. und drittens sind in eben jenen gesellschaften nationalstolz und patriotismus in der werteskala oft noch ganz weit oben (was mich an die afghanischen burschen an meinem zivi-arbeitsplatz erinnert, die nach knapp einem jahr aufenthalt hierzulande schon richtig deprimiert sind, wenn österreich im fußball verliert).

eine gewisse schizophrenie ist diesem phänomen nicht abzusprechen. womit eine voraussetzung für schmerzfreies österreicher-sein wiederum erfüllt wäre.
Markus Gansterer (Gast) - 25. Okt, 20:20

auch so ein neu-intellektueller datum-leser, wie?!?
...
ich auch!

Markus Gansterer (Gast) - 25. Okt, 20:23

noch mal ich

4. hat es einfach handfeste ökonomische/existenzielle gründe, dass ausländer die anti-ausländerpartei wählen: jede neue migrantische arbeitskraft in österreich erhöht primär den konkurrenzdruck auf andere migranten und erst sekundär auf österreicher.
auch ich kenne migranten, die schon lange in Ö sind, und die sagen, dass "das boot voll ist".

laurenzennser - 25. Okt, 21:18

stimmt.

das ist sogar ein ziemlich gutes argument, wenn ich es mir so durch den kopf gehen lasse. wie gesagt würden mich aber mal fundierte analysen/umfragen zu dem thema interessieren. schließlich hat man ja vor den wahlen meist zu hören bekommen, dass (zumindest in wien) neu-öserreicherInnen stark zu spö und grünen tendieren. aber da dürfte wirklich noch einiges wissenschaftlich gesehen brach liegen.
Markus Gansterer (Gast) - 25. Okt, 21:52

ich denke, das ist wie bei den empirischen daten zu nichtwählern: teueres, mühsames forschungsfeld und einen nutzen hat keine partei davon, weil das werben um nichtwähler völlig ineffektiv wäre, darum finanzierts niemand. der peter ulram von fessel gfk hat das in seinem seminar so dargestellt.
DIE migranten als wähler gibt es ja genau so wenig wie die nichtwähler. ein türkischer arbeiter hat wenig mit einem persischen medizinstudenten zu tun under wenig mit einer ostdeutschen tourismuskraft.
noch dazu kommen kulturelle hürden, sprachbarrieren, zugangsschwierigkeiten zu communities, eventuelle verschlossenheit der befragten, sozial erwünschte aussagen und und und.
mit einer einfachen sonntagsfrage kommt man da nicht weiter.

ich schätze aber, dass der nichtwähleranteil unter wahlberechtigten (!) migrantInnen sehr hoch sein wird.
und was ich bei den organisationen in neunkirchen und von berichten aus mitbekomme, sind die migrantInnen mittlerweile ziemlich auf die spö angefressen, weil die sie nur als stimmvieh betrachtet, an ehrlicher integration aber nicht interessiert ist.
nathilion - 26. Okt, 19:45

danke für den tip, werds mir sobald als möglich besorgen...

...als neuintellektueller datumleser... ;)

ich find die zeitschrift echt super...

laurenzennser

„Nationalökonomie ist, wenn die Leute sich wundern, warum sie kein Geld haben.“ (Kurt Tucholsky)

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laurenz ennser, *1982
• studienassistent institut f. soziologie (uni wien) • student (politikwissenschaft)
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