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Sonntag, 11. November 2007

bushs bilanz.

irgendwann wird mich jemand der schleichwerbung verdächtigen, aber die zeit bringt zum wiederholten mal einiges auf den punkt: george bushs außenpolitische bilanz ist miserabel. zwar lässt sich nicht alles wie hier auf ein duell bush – bin laden reduzieren, aber die wesentlichen aspekte treten gerade zur zeit überdeutlich zu tage.

• der irak ist ein schwarzes loch der gewalt. dort, wo nicht regelmäßig anschläge eine normalisierung verunmöglichen, droht jetzt ein einmarsch der türkei, die bisher als einer der wichtigsten partner der usa galten.

• pakistan, vielleicht der strategisch bedeutendste verbündete, versinkt im chaos. der weg zur demokratie ist verbaut. während pervez musharraf versucht, seine schäfchen per notstandsrecht ins trockene zu bringen, und die demokratische gesinnten auf die straße gehen, warten die fundamentalistischen gruppen ab, um wohlmöglich als lachende dritte aus dem konflikt hervorzugehen. ach ja, ich vergaß: pakistan hat die atombombe.

• der iran ist zwar erst dabei, ein atomwaffenprogramm aufzubauen, beruhigend ist diese aussicht allerdings noch weniger. in der bush-regierung gibt es kräfte, die auf einen militärschlag drängen. der einzige grund, warum bush sich das leisten könnte, wären seine umfragewerte, die ohnehin nicht mehr schlechter werden können.

zugegeben: die eu hat auf diese fragen auch nicht immer überzeugende antworten. aber sie hätte weltpolitisch noch viel eher die glaubwürdigkeit, um in solchen konflikten als mittler aufzutreten. wenn sie sich dazu aufrafft.
gimli999 (Gast) - 13. Nov, 15:43

Und was kann Bush dafür?

Für wen wäre die Situation eine bessere, wenn GWB ebenso wie Old Europe die Hände in den Schoss gelegt hätte, und den Irak weiterhin friedlich seine eigenen Probleme intern lösen liesse?

Sicher, die Türkei müsste sich dann nicht mit den rennitenten Kurden aus dem Irak herumschlagen, weil diese dann genug mit dem Überleben als Dhimmis in einem feindlichen Regime zu tun hätten.

Ist der Vorwurf im Bezug auf Pakistan nun jener, daß die USA hier viel härter auftreten hätten sollen? Oder sollen die USA einfach ihre Finger aus der Region halten und das Geld, daß sie in Krieg und Wiederaufbau von Afghanistan und Irak gesteckt haben lieber auf den Ölmarkt werfen, um den Rest der Welt aus dem Markt zu drängen?

Und im Iran sollte die Bush Regierung viel besser so wie die OMV einige Milliarden und Technologie reinstecken, daß das dortige Regime erst richtig die Hände frei hat um das Atomprogramm zu einem erfolgreichen Abluss (=Vernichtung Israels) zu bringen?

Oder ist dieser Artikel einfach von Gutmenschlichem "Wenn wir die Primitiven im nahen Osten in Ruhe lassen, dann lassen die uns auch in Ruhe!" geprägt?

laurenzennser - 14. Nov, 16:06

zum besseren verständnis:

1. der irak-einmarsch war ein bruch des völkerrechts. abgesehen davon ist die entwicklung nach dem einmarsch völlig außer kontrolle geraten. was auch durch krasse fehleinschätzungen und -entscheidungen der besatzer so gekommen ist (z. b. zerschlagung der armee). kein mensch weint saddam auch nur eine träne nach, aber die entwicklung SEIT dem einmarsch ist nahe am worst-case-szenario. die usa haben sich im irak somit indirekt zum größten förderer von terrorismus in der region gemacht.

2. in pakistan haben die usa lange zeit – um der stabilität willen – musharraf gestützt. in anbetracht der tatsache, dass damit nicht gerade demokratische entwicklungen gefördert wurden, ist das resultat nun erst recht prekär. das land ist instabil wie kaum zuvor. demokratie? stabilität? beides nicht so recht in sicht.

3. gut, im iran ist die sache nicht so einfach darzulegen, und die hauptverantwortung für die krise liegt beim iranischen regiem. aber die drohgebärden ggü. teheran sind nicht nur bedenklich, sondern spielen allein der radikalen führung in die hände. das ist einfach ziemlich kontraproduktiv.

4. auf untergriffiges wie im letzten absatz gehe ich nicht ein.
gimli999 (Gast) - 15. Nov, 08:29

replik

1. Zum Bruch des VR. Im Irak wurden vor dem Einmarsch permanent Truppen militärisch angegriffen, die zur Umsetzung einer UN-Resolution (die mit der no fly zone) im Land waren. Daß die UNO nur mehr ein Instrument zur Abstrafung der US und Israel Politik ist, kann man aus der extrem neutralen Haltung zum Palestina-Konflikt sehen, wo tägliche Raketen auf Israel nicht als Problem gesehen werden. Daß im nachhinein keine WMDs gefunden wurden, korrigiert auch IMO nicht den Umstand, daß die UN Waffeninspektoren so sehr bei ihrer Arbeit gehindert wurden, daß sie letztendlich das Land verliessen.

Wenn man irgendjemanden ausser den Sunniten fragt, wäre das Worst Case Szenario gewesen, daß Saddam an der Macht bleibt. Und weiters siehe http://zettelsraum.blogspot.com/2007/11/ketzereien-zum-irak-23-die-el-kaida.html .

2. Genau das war mein Punkt von meinem Post, der in dem letzten (Untergriffigen) Absatz zusammengefasst war. Sollen die USA alles was Sie ihnen vorwerfen einfach andersrum gestalten? Also (indiezukunftschauenden) Frieden im Irak. Iran einfach werken lassen, Embargo beenden, aber dafür Pakistan drohen/bedrängen?

Oder etwas weniger Provokant gefragt, verlangen Kritiker wie dieser Blog, daß die USA erst dann im Ausland eingreifen dürfen, wenn sie in die Zukunft sehen können und die Verlauf des Konfliktes hundertprozentig vorhersehen?

Wie gut die "warten wir mal ab" Politik funktioniert hat, sah man in England im 2. WK. Und da sind wir (oder zumindest einige von uns) froh, daß da die USA gekommen sind, um ein nach Innen und Aussen agressives Regime zu stürzen.

Mich würde einfach interessieren, was ein Bush-Kritiker sich als bessere Politik vorstellen würde. Ich finde das trotz aller gemachen Fehler und Fehleinschätzungen, die USA eine viel sinnvollere Politik macht als die EU zum Beispiel.

laurenzennser

„Nationalökonomie ist, wenn die Leute sich wundern, warum sie kein Geld haben.“ (Kurt Tucholsky)

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laurenz ennser, *1982
• studienassistent institut f. soziologie (uni wien) • student (politikwissenschaft)
• gemeinderat (langenlois/nö)

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