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Sonntag, 20. Januar 2008

graz: trotz allem ein rechtsruck.

so, da haben wir die ergebnisse der grazer wahl. fantastisches ergebnis für die grünen, so viel steht fest. meine prognose von gestern war also in diesem punkt falsch.

man soll das starke abschneiden der grünen und die relativ mäßigen gewinne der fpö aber nicht falsch deuten. graz hat sich eindeutig nach rechts bewegt bei dieser wahl. werfen wir einen blick auf die vorläufigen mandatsstände:

schwarz-blau-orange: 22 + 6 + 2 = 30 (plus 5)

rot-grün-rot: 12 + 8 + 6+ = 26 (minus 5)


so sehr also das grüne ergebnis freut, so bedenklich stimmt, dass fpö und bzö gemeinsam auf knapp 16 prozent der stimmen kommen. möglicherweise haben die islam-beschimpfungen der fpö-spitzenkandidatin am ende dem bzö die etwas empfindlicheren wählerInnen am rechten rand zugetrieben.
Christian Klepej (Gast) - 23. Jan, 18:19

*

ein bisschen ist es - für mich zumindest - traurig, wenn da ein (lt. angaben rechts oben auf dieser seite; die darf ich mir hier so zusammenfassen) junger, studentischer, zivildienender gemeinderat (noch dazu musikalisch) einem mir wenig nachvollziehbaren kasteldenken verhaftet, hier den "rechtsruck" hervorhebt. als wenn denn alle wähler der schwarzen rechte recken und all jene der grünen linke solche wären. (und das ganze natürlich fingerzeigend; warnend ...)

die grünen, als "moderne", als oft (ganz sicher nicht immer) "vorne weg denkende" (was immer das jetzt heissen darf ; ) und manches mal halt ein bisschen zu weit voraus seiende bewegung aufs "Linke" zu reduzieren, das würd ich mir als grüner - wäre ich denn einer - verbieten.

die mittlerweile langsam wirklich bedenklich niedrige wahlbeteiligung gilt es meinetwegen zu beklagen. und natürlich stimmen stimmen für diese fpö (im grossen und ganzen gilt dies auch fürs bzö) bedenklich.

die postiven seiten des wahlausganges gilt es zu betonen: ein alles in allem rundes ergebnis. eine klare stärkung grüner anliegen, eine - ja, so ist die welt - deutliche bestätigung bürgermeisterlicher verantwortung bei einer an ihren eigenen problemen erlahmten spö (als die övp auch mal unter 20 prozent war, hat uns zwar auch niemand bedauert; den 2er vorne hätte sich aber sogar Walter Ferk verdient). den grazer grünen ist zu gratulieren. und vielleicht, vielleicht hat schwarzgrün in graz ein bisschen zukunft. die chance ist jedenfalls da. die seh ich! und nicht den rechtsruck. genützt muss sie natürlich erst werden. lg aus graz.

laurenzennser - 23. Jan, 23:47

lieber christian k!

also, um ein paar sachen klarzustellen: ich habe das so vereinfacht im links-rechts-schema dargestellt, um der von vielen medien transportierten botschaft, die wahl wäre ein misserfolg für die fpö, entgegenzutreten.

die unzulänglichkeiten der kategorien („kastln“) links und rechts sind mir durchaus bewusst – besonders weil sich damit im besten fall parteien grob einordnen lassen, aber wählerInnen einer partei sicher nicht.

die grünen sind natürlich viel mehr als einfach nur „links“, aber in ihrer fremd- und selbstwahrnehmung doch eher links der mitte, genauso wie die övp einen ziemlich breiten bogen spannt in vielen themenbereichen.

konkret meine ich mit rechtsruck, dass die wählerInnen der rechtsaußenparteien (und als das sind fpö und bzö für mich – besonders nach den kampagnen im grazer wahlkampf – einzustufen) von unter 8 % beim letzten mal auf über 15 % diesmal zugenommen haben.


wie man hier

http://laurenzennser.twoday.net/stories/4617199/

nachlesen kann, bin ich einer schwarz-grünen zusammenarbeit, besonders auf lokaler ebene, überhaupt nicht abgeneigt, sondern im gegenteil derzeit selbst an einer beteiligt. dass so eine zusammenarbeit in graz gut funktionieren könnte, kann ich mir gut vorstellen. auch aus demokratiepolitischer sicht gibt es sinn, wenn zwei der im wahlgang gestärkten kräfte zusammenarbeiten. die nächsten tage werden es zeigen …

freue mich jedenfalls über den wertvollen beitrag … danke!
lg
laurenz

laurenzennser

„Nationalökonomie ist, wenn die Leute sich wundern, warum sie kein Geld haben.“ (Kurt Tucholsky)

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laurenz ennser, *1982
• studienassistent institut f. soziologie (uni wien) • student (politikwissenschaft)
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