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Freitag, 23. Mai 2008

die distanz zwischen partei und wählerInnen.

wie links oder rechts ist österreich? und wo stehen die parteien? die presse hat – nicht zum ersten mal – eine umfrage mit diesen fragen in auftrag gegeben. die resultate für die parteien (0 ist ganz links, 100 ist ganz rechts):

grüne 32,3 – spö 39,4 – övp 58,3 – bzö 66,7 – fpö 67,5

die selbsteinschätzung der 1000 befragten nach bevorzugter partei:

grüne 43,4 – spö 46,2 – övp 56,2 – fpö/bzö 62,7

das interessante dabei: wenn man die distanz zwischen wählerschaft und parteien durch substraktion der beiden werte berechnet, ergibt sich ein gefälle von links nach rechts:

grüne 11,1 – spö 6,8 – övp 2,1 – fpö 4,8

so gesehen sind die grünen am weitesten von ihrer wählerschaft entfernt, die spö am zweitmeisten, während auf der rechten seite der abstand geringer ist. grüne wählerInnen legen demnach einen größeren weg zu ihrer partei zurück. bleibt – bei aller problematik der zweidimensionalen links-rechts-vereinfachung – die spannende frage, ob sich grüne sympathisantInnen wünschen, dass man ihnen weiter entgegenkommt. oder würde sich dadurch die unterscheidbarkeit zu anderen parteien verringen?
Georg (Gast) - 24. Mai, 02:58

hmm

du solltest nicht vergessen, dass wir eine relativ mitgliederschwache partei sind und zudem öffentlich, v.a. für die rechtslastigen als das "linkslinke gesindel" überhaupt gelten. das image wird so auch in vielen medien transportiert, und zudem gibts natürlich auch mächtig presse für irgendwelche aktionen von gras & co, sollten sie mal über die stränge schlagen. das reicht schon als feindbildpflege. övp-fpö-bzö affine leute machten 2006 gut die hälfte der wählerschaft aus (+ dem gerücht, das speziell die övp schlecht im mobilisieren war, was eine gewisse dunkelziffer ergibt). die dürften unter den befragten entsprechend repräsentiert sein, und so schlägt sicher auch durch, das "linksbashing" respektive "grünenbashing" in der övp derzeit wieder sehr en vogue is, wenigstens seitens der "kleinen" und "hinterbänkler", während die vorderen eher bei uns anbandeln.

innerparteilich stehen wir wohl auch eher links als rechts, aber da wissen wir um die inhalte. die diskrepanz ist mmn also keine "programmatische" zwischen wähler und uns, sondern eher eine zwischen dem medienbild und uns, und da wohl auch nur beschränkt. ich würde dieser umfrage ergo nicht zuviel wert beimessen und sehe auch dein rechenergebnis eher gelassen.

ich empfinde es nicht als hinweis für eine zwingende programmatische veränderung/angleichung an die anderen, sondern eher als auftrag, themen besser und zielgerichteter an die öffentlichkeit zu transportieren.

laurenzennser - 24. Mai, 10:54

stimmt wohl …

… aber richtig gut wissen würde man das erst, wenn man die fremdeinschätzung nur der grünwählerInnen kennt, und nicht die von allen befragten. ich tippe mal darauf, dass die streuung da sehr hoch ist. aber immerhin auch nicht schlecht zu wissen, dass man leute über eine gewisse bandbreite hin ansprechen kann.

laurenzennser

„Nationalökonomie ist, wenn die Leute sich wundern, warum sie kein Geld haben.“ (Kurt Tucholsky)

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laurenz ennser, *1982
• studienassistent institut f. soziologie (uni wien) • student (politikwissenschaft)
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