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Freitag, 4. Juli 2008

eine neue linke für ö?

der standard berichtet über ambitionen für eine neue linke wahlplattform in österreich. kein wunder, dass nach der spö-performance der letzten wochen und monate solche gedankenspiele konkreter werden. natürlich ist der weg von derartigen überlegungen bis zu einer erfolgreichen kandidatur weit, aber es sagt einiges über den zustand der spö aus, dass solche szenarien erwogen werden.

nun würde so eine partei – ähnlich der linken in deutschland – sicher auch den grünen einige stimmen abspenstig machen. dennoch würde ich so eine entwicklung begrüßen, weil sie einer ganzen reihe an leuten eine anlaufstelle bieten könnte, für die die grünen aus verschiedenen gründen „zu weit weg“ sind und die sonst in den armen von strache (und vielleicht westenthaler) landen würden.

zudem gäbe es jenen üblen beigeschmack nicht, der der linken in deutschland aufgrund der mitgliedschaft vieler ehemaliger ddr-funktionäre anhaftet.

natürlich bewegt man sich dabei leicht im bereich der spekulation, aber es wäre ein weg, um die strukturelle rechte mehrheit, die seit kreisky in österreich vorherrscht, in frage zu stellen. vor allem würde es aber kurskorrekturen von den anderen parteien, besonders der spö, verlangen.

zum schluss ein nachtrag zu gestern: die e-control schlägt vor, den öffentlichen verkehr gratis zu machen. denn: ob man ihn zu 70 oder 100 % aus steuermitteln finanziert, ist auch schon egal. das hat was für sich, immerhin ist der öv volkswirtschaftlich einfach effizienter als das auto.
Markus Gansterer (Gast) - 4. Jul, 16:31

SPÖ: Mitose oder Zytokinese?


muesli - 4. Jul, 21:00

Wenn eine solche Linke Startfinanzierung braucht, wird sie diese sicherlich sehr einfach und umfangreich bei der Industriellenvereinigung und anderen ÖVP-nahen Organisationen finden.

Divide et impera.

Anders formuliert: Wer eine Linke sät, wird ÖVP ernten.

laurenzennser - 5. Jul, 11:56

da wär ich

nicht so sicher. immerhin würde eine linkspartei – so sie entsprechend stark und kooperationsfähig ist – die strategische ausgangslage der övp (die dank einer rechten mehrheit immer ein druckmittel in der hand hat, siehe koalitionsverhandlungen) eher verschlechtern …

wenn sie die linke allerdings spaltet und unkooperationsfähig macht, dann wäre das ein ähnliches dilemma wie jetzt zur rechten, wo blau und orange zwar der övp eine mehrheit verschaffen könnten, aber nicht kooperationswillig und -fähig sind, sodass nur die große koalition übrig bleibt.

laurenzennser

„Nationalökonomie ist, wenn die Leute sich wundern, warum sie kein Geld haben.“ (Kurt Tucholsky)

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laurenz ennser, *1982
• studienassistent institut f. soziologie (uni wien) • student (politikwissenschaft)
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