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Mittwoch, 20. August 2008

danke, heide schmidt!

nach einer kleinen radtour durchs sonnige weinviertel habe ich mir gestern zur enstpannung den orf-report angesehen. übliche früh-wahlkampf-berichterstattung: nicht schlecht, aber irgendwann kennt man das muster, nach dem die beiträge gestrickt werden – und otto clemens’ bedeutungsschwangere stimmgebung auch.

das studio-gespräch war eine mini-konfrontation zwischen fritz dinkhauser und heide schmidt, quasi kleinparteien-match, bevor am freitag mit haider vs. strache („mutter aller schlachten“ kann man da nur sagen!) die unsäglichen tv-konfrontationen der parlamentsparteien starten.

und da ist es mir – zum wiederholten mal in den vergangenen wochen – aufgefallen: heide schmidt gebührt ein großes danke allein dafür, dass sie durch ihre mediale präsenz in erinnerung ruft, an welches niveau der politischen auseinandersetzung wir uns schon gewöhnt haben. auch wenn ich davon ausgehen muss, dass das lif den grünen einige stimmen kosten wird, würde ein einzug der liberalen allein der spitzenkandidatin wegen der politischen kultur in österreich gut tun.

scharfsinn, intellekt, geschliffene rhetorik, argumentative gewandtheit und mut zur komplexität wo notwendig – all das geht einem allzu oft ab in der politischen auseinandersetzung. gerade in einer zeit, in der die politischen eliten in österreich nicht durch eine übermaß an charismatischen, talentierten und intellektuell begabten persönlichkeiten gesegnet sind, wäre es jammerschade, auf ein kaliber wie heide schmidt zu verzichten.

aber zumindest bis zum 28. september dürfen wir hoffen.
Markus Gansterer (Gast) - 20. Aug, 20:57

das ist jetzt eh offensichtlich, aber als grüner wahlkämpfer muss ich schon feststellen: das schlimmste wär, das lif nimmt den grünen ordentlich stimmen weg und kommt trotzdem knapp nicht in den nationalrat.

laurenzennser - 21. Aug, 09:02

genau das

befürchte ich. ich glaub nämlich nicht, dass sie reinkommen. selbst wenn sie ein angemessenes wahlkampfbudget haben, fehlt die personelle struktur. und dann brauchts natürlich noch inhaltliche ansagen.
Georg Pichler (Gast) - 21. Aug, 21:51

Das Problem ist mmN ein anderes.

Inhaltliche Ansagen haben sie durchaus, die personelle Struktur ist bis zur Wahl nichtmal soo wichtig (auch wenn die meisten Bundesländer-Spitzenkandidaten kaum wer kennt). Haselsteiner und Schmidt sind sehr gut unterwegs bei den Interviews, relativ präsent in den Medien und sammeln fleißig Sympathien.

Das Problem wird eher sein, dass sie diese Präsenz und somit auch den Stimmenanteil halten können, der sich zur Zeit durchaus über 4% bewegt. Morgen gehen die Wahlkonfrontationen los, die sehr viel Aufmerksamkeit kriegen. Und im Rahmen der geplanten Wahlberichterstattung wird das LIF nur einmal auftauchen: In der "Aussenseiter-Runde" in "Im Zentrum".

Dazu geht bald der Wahlkampf richtig los, und vieles wird sich um Last-Minute Goodies von Rot und Schwarz, den Dritte-Lager-Dauerkrieg und grüne Koalitionsgerüchte drehen. Da habens die Grünen schon schwer genug mit wirklichen Sachthemen durchzudringen, wie soll das erst das LIF ordentlich bewerkstelligen, mit weniger Budget und der Tatsache, dass die letzte nennenswerte Öffentlichkeitspräsenz mehr als 10 Jahre her ist (denn viel hat der Zach nicht gerissen in den anderthalb Jahren).

Das LIF wird in den NRW08 meines Erachtens nach mit seiner Medienpräsenz stehen oder fallen. Und da ist der Knackpunkt, denn ähnlich wie wir Grünen ist die gute Heide Schmidt oft zu wenig populistisch und wird schlichtweg übergangen werden.

laurenzennser

„Nationalökonomie ist, wenn die Leute sich wundern, warum sie kein Geld haben.“ (Kurt Tucholsky)

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laurenz ennser, *1982
• studienassistent institut f. soziologie (uni wien) • student (politikwissenschaft)
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