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Montag, 29. September 2008

wir sind scheißegal.

vorbei der wahlkampf, vorbei der wahltag. was bleibt, ist ernüchterung. nicht nur, dass die grünen ein ziemlich mediokres ergebnis eingefahren haben (und das als oppositionspartei bei denkbar schlechter regierungsperformance), vor allem schmerzt natürlich das historische hoch der rechtsparteien.

und damit zum für mich unerkläbaren teil des abends:

30 % der wählerInnen in österreich haben völlig vergessen, welche performance fpö und bzö in regierungsverantwortung an den tag gelegt haben. diesen beiden parteien wird anscheinend alles verziehen. und das ist das traurige: mit stumpfsinn und feindseligkeit kann man in diesem land völlig unabhängig von eigenen ideen, talenten und konzepten enormen politischen erfolg haben. da tut besonders das zurückrutschen hinter das bzö weh: diese nicht-partei, deren führungsfiguren sich im laufe ihrer politischen karriere zig-fach selbst diskreditiert haben, schnalzt mir nix, dir nix auf 11 prozent hinauf. wie soll man da nicht verzweifeln?

übrig bleibt eine erkenntnis: 1999/2000 hat schwarz-blau eine periode des machtwechsels zwischen rechtsregierungen und großen koalitionen eingeleitet – meiner ansicht schlägt das pendel jetzt wieder richtung schwarz-blau-orange aus, aber das werden die nächsten wochen zeigen.

für uns grüne und unsere rolle in der politischen landschaft österreichs gilt: wir sind und bleiben scheißegal.

___
p. s.: ich weiß, es klingt frustig, aber das lif hat mit seinem antreten genau das gegenteil dessen erreicht, was es wollte. den rechtsruck verhindert man nicht, indem man genau jene kräfte schwächt, die als einzige standhaft gegen strache, haider und co auftreten.
haftgrund - 29. Sep, 02:49

nicht scheissegal

- im Gegenteil, ohne Grüne wären viele Themen überhaupt nicht ins Wahrnehmungsfeld der Öffentlichkeit gekommen, ohne tapfere Aufklärungsarbeit beispielsweise von Peter Pilz, wäre noch viel mehr unter der Decke geblieben. Und die Grünen sind weiterhin die Einzigen, denen ich glaubhaftes Sozial- und Demokratieengagement abnehme.
Dass all dies in Österreich nicht mehrheitsfähig scheint, ist unser Unglück, kann aber weder auf die Art des Wahlkampfes der Grünen zurückzuführen sein noch auf das Antreten der LIF.
Die Mehrheit ist eben rechts bis rechtsextrem oder auf populistische Sager abfahrend.
Umso wichtiger bleiben die Grünen, meint ein altes grünes Stimmvieh.

maschi - 29. Sep, 09:37

ach laurenz. setz das jetzt nicht fort, indem du auf jene einhackst, die in diesen fragen dasselbe wollen wie du, aber mit der performance, dem auftreten und auch manchen inhalten der grünen nicht ganz glücklich werden.

vielmehr bestünde ja theoretisch für euch auch eine chance darin, dass das lif gescheitert ist. dann müsstet ihr aber innehalten und euch ernsthaft fragen, was es denn ist, das für einen kleinen, aber nicht irrelevanten teil eurer wähler die existenz eines lif so lebensnotwendig erscheinen lässt... und ihr müsstet dann wohl auch die konsequenzen daraus ziehen.

laurenzennser - 29. Sep, 11:34

lieber maschi

ja, es ist mir klar, dass unser angebot besser werden muss. gerade für jene, die aus enttäuschung über uns grüne diesmal gar nicht oder das lif gewählt haben. was ich einfach festhalten wollte: heide schmidt ist massiv gegen den erwarteten rechtsruck aufgetreten. das ist anscheinend ein minderheitenprogramm in österreich. trotzdem glaube ich, dass diese kräfte gebündelt gehören, in welcher form auch immer …

zuerst kommt aber mal das nachdenken über die eigene unzulänglichkeit.
bruckner (Gast) - 29. Sep, 11:52

ja bitte!

also nachdenken: und nicht blind draufhauen. das lif trifft sicher keine schuld betr. die konturlosigkeit der grünen.
martin.k - 29. Sep, 11:49

Der Wahlkampf hat wieder mal gezeigt, dass die Parteien gewinnen, die ihre Themen in den Medien platzieren können.
Dass ein Wahlkampf "gegen rechts" scheitern musste, war klar. Das befriedigt vielleicht eine Handvoll grüne Stammwähler, bietet der Rechten aber nur eine noch größere Bühne um Angst zu schüren, und Angst hilft immer den Populisten.
Wenn eine Konkurrenz-Partei mit ähnlichem Programm schädlich ist, hätte die FPÖ eigentlich ein großes Problem haben müssen.

Wenn man es (mit dem LIF) geschafft hätte, ein paar eigene Themen zu pushen, hätte man vielleicht mehr mit dem Lif teilen müssen, der Kuchen wäre aber größer gewesen.

hhannes (Gast) - 1. Okt, 16:15

die vergesslichkeit der wählerInnen, die undankbare oppsositionsarbeit und warum wir nicht scheissegal sind

lieber Laurenz ich möchte dir mut machen. wir sind nicht scheissegal. auf uns vertrauen 10% der wählerInnen! wenn das nichts ist, dann schau einmal zurück in die 80er jahre. wenn man mit grünen ideen angefangen hat, haben die anderen nur gelacht und mit stromabschalten beim kühlschrank gedroht.

lassen wir auch das liebe LIF in ruhe, die haben es versucht und sind gescheitert, die lecken ihre wunden. wir müssen höchstens schauen, was an dem LIF so attraktiv war, was wir nicht haben.

bei wahlen geht es nie um dankbarkeit sondern um versprechen der zukunft. wir werden also nie für eine noch so gute oppositions (oder auch regierungsarbeit bedankt) sondern müssen jedesmal neu zukunftsperspektiven haben und zeigen.

und was erwartest du von menschen, die jeden november aufs neue erstaunt sind, dass das weisse, das da vom himmel fällt auf der strasse liegen bleibt und rutscht?! die sollen sich echt merken, was im detail vor vier jahren jemand anders gesagt hat? aber das muss man halt miteinbeziehen in seine überlegungen.

laurenzennser

„Nationalökonomie ist, wenn die Leute sich wundern, warum sie kein Geld haben.“ (Kurt Tucholsky)

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laurenz ennser, *1982
• studienassistent institut f. soziologie (uni wien) • student (politikwissenschaft)
• gemeinderat (langenlois/nö)

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