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Montag, 10. November 2008

ab die post!

die jüngste diskussion um sparpläne bei der post veranschaulicht wieder einmal das dilemma zwischen markt und staat, das immer dort entsteht, wo es um nicht-profitable infrastruktur und dienstleistungen geht.

denn eines sollte allen beteiligten klar sein:

die post kann nicht ein auf dem freien markt profitabel wirtschaftendes unternehmen sein und gleichzeitig flächendeckende versorgung mit dienstleistungen garantieren.

wer das eine will, muss beim anderen kompromisse machen. kompromisse, die entweder teuer sind (weil flächendeckende versorgung einfach kostet) oder zur ausdünnung des ländlichen raumes beitragen (weil die post-infrastruktur ohne unterstützung der öffentlichen hand nicht aufrechtzuerhalten ist).

insofern kann man den aufschrei der gewerkschaften und der gemeinden gut verstehen. man muss aber auch einsehen, dass sich der post-vorstand strategien für einen liberalisierten markt zurecht legen muss. wer nicht will, dass die post die sparpläne umsetzt, der muss finanziell oder ordnungspolitisch eingreifen. entweder durch zuschüsse oder durch verordnungen, die andere unternehmen zu einer mindestabdeckung (ähnliches gibt’s bei mobilfunkunternehmen auch) der bevölkerung verpflichten.

ansonsten geht besonders am land im wortsinn bald die post ab.
maschi - 10. Nov, 21:52

mmh. warum so sinowatzmässig kompliziert? wenn der staat wirklich eine leistung finanzieren will, für die der markt keine ausreichende nachfrage bereitstellt, dann definiert er diese, schreibt sie in einem transparenten verfahren aus und vergibt sie fünfjährig befristet an den bestbieter. fertig.

wo ist da ein dilemma? wenn es ein dilemma gibt, dann besteht es darin, dass der staat selbst sich mit den wahren kosten der von ihm gewünschten massnahmen oft nicht so transparent auseinandersetzen möchte. wenn man diese daher irgendjemandem aufs aug drückt, dann werden sie irgendwo bei der hintertür wieder reinkommen, denn: sie gehn eben nicht weg - sie sind da und bleiben da. daher: von der öffentlichkeit gewünschte leistungen müssen öffentlich finanziert werden. wenn die wähler das nicht zahlen wollen, weil sie die öffentlichen gelder lieber anders einsetzen wollen, dann gibt es diese leistungen eben nicht.

laurenzennser - 11. Nov, 09:05

das dilemma ist

dass die post beides sein soll: marktwirtschaftlich geführtes unternehmen, das dividenden abwirft und grundversorger. das geht halt nicht. in deinen worten: der staat will etwas haben (nämlich flächendeckende versorgung), aber finanziert werden soll sie auf marktüblichem wege. das wirds halt nicht spielen.
hannes.s - 11. Nov, 16:27

Dilemma

Das Dilemma ist hausgemacht, man kann sich nicht entscheiden, was man will. Fix ist jedoch nur, das die Post abgeht, sobald es auch hoffentlich endlich private Briefdienste gibt. Denn dann sieht man mich auf der Post nie wieder, denn dort passiert alles, nur die Post geht nicht ab.

Solche Dienstleistungen gehören einfach nicht vom Staat protegiert, sondern in die ewigen Jagdgründe geschickt.

laurenzennser - 13. Nov, 15:01

ich glaube schon

dass man sich entscheiden kann. nicht für oder gegen die liberalisierung des postmarktes, die ist beschlossene sache (und in manchen ländern auch schon umgesetzt). aber man kann den privaten anbietern ebenso vorschriften über mindestversorgung machen, und damit den wettbewerb auf eine faire grundlage stellen. wenn nur die post der universaldienstverordnung unterliegt und alle anderen picken sich die rosinen aus dem marktkuchen, dann ist klar, dass solche pläne irgendwann mal auf den tisch kommen ...
hannes.s (Gast) - 16. Nov, 22:33

Es gut, das die Postliberalisierung kommt. Denn ich habe mich bereits entschieden, nie wieder Post wenn es geht!

Ich möchte jedoch betonen, das sich der Eigentümer der Post nicht entscheiden kann, was er (Staat) will. Einerseits muss er die EU Vorgaben umsetzen (was sehr gut ist), andererseits will er sein Unternehmen solange schützen wie es geht. Der doppelte Verlierer: der Bürger: erstens sch... Service, zweitens Vermögen vernichtet.
Je schneller entschieden wird, desto besser für alle Beteiligten. Und zu den Vorgaben, genau das wäre die einzige Aufgabe der Regierung im Markt: Vorgaben zu machen, welchen Servicegrad alle Anbieter anzubieten haben (siehe Mobilfunk, bestes Beispiel, das alle was davon haben).

laurenzennser

„Nationalökonomie ist, wenn die Leute sich wundern, warum sie kein Geld haben.“ (Kurt Tucholsky)

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laurenz ennser, *1982
• studienassistent institut f. soziologie (uni wien) • student (politikwissenschaft)
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