[>>]

Mittwoch, 18. Februar 2009

staat vs. religion?

jüngst waren religionsgemeinschaften stark im mittelpunkt öffentlichen interesses: pius-brüder, bischofsernennung, demokratie und islam. miteinander haben diese dinge wenig zu tun – außer, dass sie berechtigten anlass darstellen, gründlich über das verhältnis von staat und religion in österreich nachzudenken.

eine laizismus-initiative will jetzt für stärkere trennung von religion und staat eintreten. auf den ersten blick ein hehres ansinnen, bei näherer betrachtung stoßen manche formulierungen aber leicht sauer auf. da heißt es unter anderem:

„Außerdem stehen zumindest die großen monotheistischen Religionen im Widerspruch zur Demokratie […] Wenn es über den 3 Gewalten des Staates für die Religionsgemeinschaften noch eine übergeordnete Autorität gibt, dann können sie sich zu einem Staat und seinen Gesetzen nicht bekennen.“

hä?!?

demokrat und christ/moslem/jude, das geht also nicht zusammen. und die religionsgemeinschaften verstoßen ganz prinzipiell gegen jede rechtsstaatliche verfassung.

sorry, aber da wird’s mir zu bunt. warum muss der an sich sinnvolle versuch einer diskussion über das verhältnis von staat und religion mit solch schwachsinnigen argumenten geführt werden, noch dazu unterfüttert von einer prinzipiellen abscheu gegenüber religionen?

und warum konstruiert man da eine künstliche konkurrenz zwischen weltlichen und nicht-weltlichen autoritäten? warum verunglimpft man religion per se als ein antidemokratisches prinzip?

natürlich ist das verhältnis des staates zu den verschiedenen religionen oft ein schwieriges. die trennung von kirche und staat ist in österreich tatsächlich nicht sauber vollzogen. gerade deswegen ist nüchternheit angebracht: religionsunterricht, kreuze in öffentlichen gebäuden, mitspracherecht des ministerrats bei bischofsernennungen – all das gehört hinterfragt und diskutiert. aber nicht auf grundlage antireligiöser intoleranz.
maschi - 18. Feb, 12:19

du hast mE völlig recht. entscheidend kann nur sein, dass man den säkular verfassten demokratischen staat und seine gesetze hinsichtlich ihrer gültigkeit bedingungslos akzeptiert - auch in den eigenen reihen. dass ich auf basis meiner meinungen (auf welche grundlage auch immer ich diese meinungen stelle) vielleicht gesetzesänderungen einfordere ist nicht antidemokratisch sondern völlig legitim. allerdings ist hier auch noch das liberale prinzip zu beachten. der gemeinsame staat kann nur funktionieren, solange wir gewisse dinge bewusst aus der regulierungsmacht der mehrheit herausnehmen. stichwort: eine religion kann zb der anderen nicht vorschreiben, wie deren mitglieder zu leben haben. wenn ich daher bewusst gesetzesänderungen fordere, die mit grundrechten so wie sie von den höchstgerichten interpretiert werden nicht mehr vereinbar sind, stelle ich mich bis zu einem gewissen grad in opposition zum liberalen prinzip unserer verfassung - wirkliche opposition wird aber auch das erst, wenn ich die entscheidungen der höchstgerichte in ihrer gültigkeit nicht mehr akzeptiere...

all das heisst aber nur, dass es eben nicht reicht, das "demokratische" prinzip zu akzeptieren, sondern dass es da noch ein paar mehr dinge gibt, die ich als verständiger staatsbürger akzeptieren sollte. ist also nur eine kleine ergänzung zu deinen ausführungen.

weltbeobachterin (Gast) - 18. Feb, 20:43

bin zwar für Religions bzw. Ethikunterricht, aber ich kann mir deine Forderung nur anschließen. eine Diskussion, aber nicht auf Intoleranz von Religiösen Menschen bzw. Antireligiösen hat Sinn. Es ist zu verwischt die Grenzen.

Gerald Bäck (Gast) - 21. Feb, 23:42

Ich hab mich auch mit laizismus.at befasst, aber die Passage muss ich überlesen haben, danke für den Hinweiß. Meinen Beitrag dazu ist unter http://www.baeck.at/blog/2009/02/21/laizismus-initiative-lieber-nicht/ zu finden.

laurenzennser

„Nationalökonomie ist, wenn die Leute sich wundern, warum sie kein Geld haben.“ (Kurt Tucholsky)

who?

laurenz ennser, *1982
• studienassistent institut f. soziologie (uni wien) • student (politikwissenschaft)
• gemeinderat (langenlois/nö)

suche

 

recent contributions

Mein Gott...das ist echt...
Mein Gott...das ist echt eine schreckliche Geschichte...
Irene Coole Spiele (Gast) - 7. Dez, 15:11
krems und die scheinheiligkeit.
in krems, meiner schulstadt, ist was passiert. zwei...
laurenzennser - 9. Aug, 01:37
hi freaks.
wenige wochen nach der ep-wahl haben sich die fraktionen...
laurenzennser - 19. Jul, 20:33
Das perfideste an diesem...
Das perfideste an diesem komischen Protest ist ja,...
Mathias (Gast) - 14. Jul, 13:07
schwerer denkfehler
lieber laurenz, tut mir leid, aber ich seh' einfach...
Michael Bauer (Gast) - 7. Jul, 13:18
also mal halblang
man muss schon differenzieren: dass ö eine (viel)...
laurenzennser - 7. Jul, 10:33
spiel-satz-sieg für...
also über diesen beitrag muss ich mich schon sehr...
Michael Bauer (Gast) - 6. Jul, 20:20
free access to bullshit.
die nächste novelle zum universitätsgesetz...
laurenzennser - 6. Jul, 17:55

Credits

vi knallgrau GmbH

powered by Antville powered by Helma


xml version of this page

twoday.net AGB