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jörg haider lebt.

sogar die deutsche zeit hat jüngst auf ihrer titelseite den abgesang auf jörg haider angestimmt:

„Wenn aber am Abend des 1. März bei der Landtagswahl in Klagenfurt die Stimmen ausgezählt sein werden und die Nachfolger in seiner Privatpartei BZÖ wahrscheinlich eine bittere Enttäuschung haben hinnehmen müssen, dann wird seine Aura allmählich verblassen.“

nichts da. blödsinn. gar nichts ist verblasst. jörg haider lebt, oder zumindest das wofür er gestanden ist in den letzten zweieinhalb jahrzehnten. was aber bedeutet das für die österreichische politik in zukunft?

zuerst ein blick zurück: österreich war bis tief in die 80er und 90er ein parteienstaat. ein staat, in dem parteien viel mehr waren als politische interessensgemeinschaften. die parteipräferenz war quasi angeboren, geerbt von den vorfahren, gefestigt im alltagsmilieu und nur selten erschüttert durch den wechsel in andere soziokulturelle zusammenhänge.

die parteien haben nicht nur die republik gegründet, sie waren garanten für sichere arbeitsplätze und wohnungen. sie haben vom autofahrerklub über den turnverein bis zur hilfsorganisation alle bereiche sozialen engagements kontrolliert (die schulen übrigens bis heute – und das ist ein echter skandal).

jörg haider trat just zu jenem zeitpunkt auf die politische bühne als die traditionellen parteibindungen begannen sich aufzulösen. er hat diese entwicklung genutzt und verstärkt. gemeinsam mit dem auftreten der grünen mitte der 80er polarisiert sich so die parteienlandschaft.

das entscheidende für die zukunft ist aber: das potenzial, das haider für die parteien des dritten lagers erschlossen hat, ist auch in zukunft jederzeit abrufbar. die fpö wird mühelos 20 % einfahren können bei der nächsten nationalratswahl, selbst mit einem uninspirierten hc strache an der spitze. kärnten hat vergangenes wochenende gezeigt, dass das dritte lager dort auch ganz ohne charismatische führungspersönlichkeit 50 % erreichen kann.

in diesem lichte besehen ist haider vielleicht überschätzt worden. es scheint keineswegs so, als würden sich nach seinem tod fpö und bzö am absteigenden ast befinden. der erfolg, den haider mit teils plumpem populismus hatte, lässt sich also mit noch trivialeren mitteln prolongieren. das vermeintlich geniale an jörg haider – es war draufgabe, nicht notwendigkeit zur mobilisierung von hunderttausenden.

und das ist es, was bleiben wird: die möglichkeit, mit einer mischung aus stumpfsinn und dreistigkeit politischen erfolg zu haben. ganz ohne genie.

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laurenzennser

„Nationalökonomie ist, wenn die Leute sich wundern, warum sie kein Geld haben.“ (Kurt Tucholsky)

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laurenz ennser, *1982
• studienassistent institut f. soziologie (uni wien) • student (politikwissenschaft)
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