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Mittwoch, 22. April 2009

vermögenssteuern (2)

auf anregung von gerald bäck eine ergänzung zum thema vermögenssteuern. bäck bemerkt (im kommentar zu meinem vorigen eintrag) richtig, dass die meisten länder mit hohen vermögenssteueranteilen insgesamt recht niedrige abgabenquoten haben (z. b. die usa). und das ist bis zu einem gewissen punkt logisch: wenn insgesamt das steueraufkommen relativ zum bip nicht so groß ist, dann nehmen die vermögenssteuern einen größeren prozentsatz ein.

aber man muss schon differenzieren:

taxes

hier nochmal eine grafik aller oecd-staaten. auf der x-achse die abgabenquote (daten aus 2006), auf der y-achse der anteil der vermögenssteuern am steueraufkommen. man sieht, dass der von bäck beschriebene trend im groben zutrifft.

ABER: österreich (der grüne punkt) ist in einer extremsituation. denn alle staaten mit höherer abgabenquote (das sind die skandinavischen länder plus frankreich, italien und belgien) haben ebenfalls einen höheren anteil von vermögenssteuern am gesamtsteueraufkommen.

gestern hat der finanzminister seine budgetrede gehalten. die staatsverschuldung österreichs wird auf unglaubliche 78,5 % der bip ansteigen. dass vermögen hier komplett aus der pflicht genommen werden und die last der krise auf arbeit und konsum liegt, ist schlicht und ergreifend zutiefst sozial ungerecht.
Gerald Bäck (Gast) - 22. Apr, 20:03

Dabei stellt sich für mich die Frage, ob Länder mit einer höheren Abgabenquote auch wirklich die richtigen Vorbilder sind?

VdB hat in der gestrigen Parlamentssitzung behauptet, dass eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes um 1% lediglich 10 Millionen Euro einbringt. Ok der Spitzensteuersatz hat wenig mit Vermögensteuern zu tun, aber man sieht schön, wie sehr diese Einnahmequelle überschätzt wird.

Das schlimme an der ganzen Diskussion ist, dass alle lediglich das bestehende Steuersystem ändern wollen, aber niemand auf die Idee verfällt ein gänzlich neues Steuersystem vorzuschlagen.

laurenzennser - 22. Apr, 22:58

vorbilder?

kommt drauf an, was man will. niedrige armutsquote, geringe einkommensunterschiede, hohes level an sozialer absicherung – das wären schon einige gründe, warum man sich an solchen staaten ein vorbild nehmen könnte.

klar: der preis dafür ist ein hohes steuerniveau. im prinzip kommt es da auf das gesellschaftsbild an. wenn man eine gesellschaft mit geringeren sozial ungleichheiten für erstrebenswerter hält (so wie ich), dann befürwortet man eben ein relativ hohes maß an umverteilung, also eben auch eine hohe abgabenquote.

laurenzennser

„Nationalökonomie ist, wenn die Leute sich wundern, warum sie kein Geld haben.“ (Kurt Tucholsky)

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laurenz ennser, *1982
• studienassistent institut f. soziologie (uni wien) • student (politikwissenschaft)
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