free access to bullshit.
die nächste novelle zum universitätsgesetz (ug) kommt, und die öh schäumt. von "vermarktwirtschaftlichung" und "entdemokratisierung" steht da was in den massenmails, die alle studierenden von ihrer standesvertretung bekommen.
ganz besonders schlimm: es soll zugangsbeschränkungen für master- und doktoratsstudien geben.
da bleiben wir lieber beim freien hochschulzugang, der hat ja bisher wunderbar funktioniert. die drop-out-raten von 60, 70 prozent in manchen studien, die international wenig herzeigbaren forschungsergebnisse, die vielerorts produziert werden, die mangelnde qualität der lehre und der infrastruktur - all das sind phänomene, die mit dem freien hochschulzugang in zusammenhang stehen.
ein britischer gastprofessor, bei dem ich kürzlich ein seminar belegt habe, hat es so ausgedrückt: "what have you got? you've got free access to bullshit."
p. s.: die ug-novelle ist natürlich problematisch. aber nicht der teil mit den zugangsbeschränkungen (solange die qualitativ und nicht monetär sind), sondern jener, der eine einschränkung der uni-autonomie bringt und entscheidungskompetenzen vom senat (demokratisch gewählt) zum uni-rat (von der regierung bestimmt) verlagert.
ganz besonders schlimm: es soll zugangsbeschränkungen für master- und doktoratsstudien geben.
da bleiben wir lieber beim freien hochschulzugang, der hat ja bisher wunderbar funktioniert. die drop-out-raten von 60, 70 prozent in manchen studien, die international wenig herzeigbaren forschungsergebnisse, die vielerorts produziert werden, die mangelnde qualität der lehre und der infrastruktur - all das sind phänomene, die mit dem freien hochschulzugang in zusammenhang stehen.
ein britischer gastprofessor, bei dem ich kürzlich ein seminar belegt habe, hat es so ausgedrückt: "what have you got? you've got free access to bullshit."
p. s.: die ug-novelle ist natürlich problematisch. aber nicht der teil mit den zugangsbeschränkungen (solange die qualitativ und nicht monetär sind), sondern jener, der eine einschränkung der uni-autonomie bringt und entscheidungskompetenzen vom senat (demokratisch gewählt) zum uni-rat (von der regierung bestimmt) verlagert.
laurenzennser - 6. Jul, 17:44
Michael Bauer (Gast) - 7. Jul, 13:18
schwerer denkfehler
lieber laurenz,
tut mir leid, aber ich seh' einfach mehrere denkfehler in deiner argumentation pro zugangsbeschränkungen.
- deine annahme, dass der freie hochschulzugang nichts zur akademikerInnenquote beigetragen hätte, ist nicht nur falsch sondern vollkommen unlogisch. zugangsbeschränkungen = weniger anfängerInnen (sonst bräucht's ja keine) = weniger studierende = weniger absolventInnen.
- wie du zur annahme kommst, das finanzielle aushungern der unis habe nichts mit der qualität der studien zu tun, ist mir schleierhaft. was du mit "verbindlichkeit für die studierenden" meinst, bleibt leider offen. ich kann nur hoffen, dass du nicht für eine (zusätzliche) verschulung der studien oder gar gebühren bist.
- die seit 2000 gestiegenen ausgaben für die unis sind reine augenauswischerei. am beispiel der uni innsbruck kann ich nur sagen, dass die mehrausgaben vor allem im verwaltungsbereich (danke new public management) angesiedelt sind, die ausgaben pro studierender/studierendem sind gesunken. außerdem mussten die unis vor dem ug02 zB keine miete zahlen, die an der uni ibk immerhin ca. 8% des gesamtbudgets ausmacht.
- ad "seriöse finanzierung": was du forderst ist wohl eine "studienplatzbewirtschaftung" à la badelt - schon jetzt werden die studierendenzahlen (klarerweise) bei der berechnung des sockelbetrags der einzelnen unis (formelbudget) herangezogen. und wenn man bedenkt, dass (wieder am beispiel ibk) gerade mal 11% (samt räume und personal) des budgets in lehrveranstaltungen investiert werden, sind unsicherheiten in der finanzierung wohl erst in anderen bereichen zu beseitigen.
ich hab' in meinem ersten beitrag nicht "die grünen" sondern dich "als grünen" ansprechen wollen. bin ja selber "ein grüner" und war lange in der hochschulpolitik aktiv. mag sein, dass ich eine utopische vorstellung davon habe, wie und was universitäten sein sollen, allerdings weiß ich, dass viele menschen diese utopie teilen und zumindest die grünen als einzige im parteienspektrum diese utopie auch weitgehend in ihrem programm stehen haben. vielleicht prallen hier einfach auch die welt des "pensionierten" studierendengewerkschafters und die des institutsangestellten aufeinander, aber gerade die diskussion dieses themas innerhalb der grünen bewegung ist mir einfach zu wichtig als dass ich ein "free access to bullshit" stehen lassen könnte.
tut mir leid, aber ich seh' einfach mehrere denkfehler in deiner argumentation pro zugangsbeschränkungen.
- deine annahme, dass der freie hochschulzugang nichts zur akademikerInnenquote beigetragen hätte, ist nicht nur falsch sondern vollkommen unlogisch. zugangsbeschränkungen = weniger anfängerInnen (sonst bräucht's ja keine) = weniger studierende = weniger absolventInnen.
- wie du zur annahme kommst, das finanzielle aushungern der unis habe nichts mit der qualität der studien zu tun, ist mir schleierhaft. was du mit "verbindlichkeit für die studierenden" meinst, bleibt leider offen. ich kann nur hoffen, dass du nicht für eine (zusätzliche) verschulung der studien oder gar gebühren bist.
- die seit 2000 gestiegenen ausgaben für die unis sind reine augenauswischerei. am beispiel der uni innsbruck kann ich nur sagen, dass die mehrausgaben vor allem im verwaltungsbereich (danke new public management) angesiedelt sind, die ausgaben pro studierender/studierendem sind gesunken. außerdem mussten die unis vor dem ug02 zB keine miete zahlen, die an der uni ibk immerhin ca. 8% des gesamtbudgets ausmacht.
- ad "seriöse finanzierung": was du forderst ist wohl eine "studienplatzbewirtschaftung" à la badelt - schon jetzt werden die studierendenzahlen (klarerweise) bei der berechnung des sockelbetrags der einzelnen unis (formelbudget) herangezogen. und wenn man bedenkt, dass (wieder am beispiel ibk) gerade mal 11% (samt räume und personal) des budgets in lehrveranstaltungen investiert werden, sind unsicherheiten in der finanzierung wohl erst in anderen bereichen zu beseitigen.
ich hab' in meinem ersten beitrag nicht "die grünen" sondern dich "als grünen" ansprechen wollen. bin ja selber "ein grüner" und war lange in der hochschulpolitik aktiv. mag sein, dass ich eine utopische vorstellung davon habe, wie und was universitäten sein sollen, allerdings weiß ich, dass viele menschen diese utopie teilen und zumindest die grünen als einzige im parteienspektrum diese utopie auch weitgehend in ihrem programm stehen haben. vielleicht prallen hier einfach auch die welt des "pensionierten" studierendengewerkschafters und die des institutsangestellten aufeinander, aber gerade die diskussion dieses themas innerhalb der grünen bewegung ist mir einfach zu wichtig als dass ich ein "free access to bullshit" stehen lassen könnte.
Mathias (Gast) - 14. Jul, 13:07
Das perfideste an diesem komischen Protest ist ja, dass die Zugangsbeschränkungen von vorne herein nicht im Gespräch waren. Dennoch lässt es sich die ÖH nicht nehmen und protestiert einfach mal gegen alles, wo "Hahn" drauf steht, weil, vielleicht könnte da ja was kommen und das wäre dann auf jeden Fall schlecht.
Und da soll man die Studierenden noch ernst nehmen?
Und da soll man die Studierenden noch ernst nehmen?

spiel-satz-sieg für gehrer?
österreich ist nicht nur vorletzte in sachen akademikerInnenquote, sondern hat zudem die höchsten dropoutquoten und die unterdurchschnittliche zuwächste bei den akademikerInnen. mehr zugangsbeschränkungen bedeutet automatisch weniger akademikerInnen - an der schlechten ausfinanzierung der unis ändern sie garnichts. ein studienplatz ist eigentlich nicht teuer und verhindert schon gar keine forschung.
dass jetzt schon grüne den freien hochschulzugang als übel und verursacher von schlechten studienbedingungen und kaum herzeigbarer forschung sehen, darf wohl als verspäteter sieg von lisl gehrer danken, die mit dem von hahn fortgesetzten totsparen der unis begonnen hat.
p.s.: wenigstens "schäumt" die öh - denn den studis scheint die schlimmste novelle seit 2002 ja schnurzpiepegal zu sein.
also mal halblang
dass ö eine (viel) höhere akademikerInnenquote braucht ist klar. bisher haben jahrzehnte an freiem hochschulzugang dazu nichts beigetragen. das problem mit der akademikerquote lässt sich nur lösen, wenn (1) mehr leute zur hochschulreife kommen (ö ist hier fast schlusslicht in europa, siehe http://www.oecd.org/dataoecd/20/61/41279166.pdf seite 56, und (2) die dropoutraten zurückgehen.
für ersteres braucht man eine reform im schulsystem, für zweiteres lässt sich mit einer qualitativen verbesserung von studien und mehr verbindlichkeit für die studierenden etwas tun. beides kann man mit maßvollen, qualitativen zugangsbeschränkungen unterstützen.
das "totsparen der unis", oder sagen wir lieber die unzureichende finanzierung, eine andere sache. natürlich brauchen wir mehr geld, mehr studierende, bessere infrastruktur. wobei: laut statistik austria sind die ausgaben für die unis von 2000 bis 2007 von 1,97 mrd. auf 2,96 mrd. euro gestiegen (siehe http://www.statistik.at/web_de/statistiken/bildung_und_kultur/formales_bildungswesen/bildungsausgaben/030823.html). tatsache ist aber, dass eine seriöse finanzierung nur dann erfolgen kann, wenn ungefähr bekannt ist, wieviele studienplätze zur verfügung gestellt werden müssen.
und zu den grünen: mein obiger beitrag ist sicher nicht repräsentativ für die position der grünen in diesen fragen. wobei die ziele (mehr studis, höhere a-quote, bessere qualität der lehre und forschung, soziale selektion beim hochschulzugang vermindern) ja ähnlich sind. ich meine, dass der freie hochschulzugang dem eher entgegensteht als dass er hilft. zumindest hat er keines dieser probleme bisher lösen geholfen.