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umeå

Freitag, 25. Mai 2007

kontrollierte anarchie.

schweden ist ein wohl organisiertes land. für alles und jedes gibt es vereine, verbände, ombudsmänner und -frauen, beauftragte und andere arten von zuständigen. hier wird nach den regeln gespielt. und die akzeptanz dafür ist hoch. nein, man nimmt sein bier aus dem lokal nicht mit nach draußen, auch wenn es noch so verlockend ist. es ist nämlich verboten, basta.

doch einmal im jahr, so scheint’s, muss – um die allgemeine sublimierungsfähigkeit nicht überzustrapazieren – kollektiv die sau rausgelassen werden. das ganze heißt dann bränbollsyran und ist heute.

bränboll ist sowas wie ein baseball-abklatsch, und dieses wochenende findet ein großes turnier mit über 300 studentenmannschaften statt. dabei geht noch alles recht gesittet zu, mit viel sonne, grillen, guter stimmung und musik. gegen abend verlagert sich das geschehen dann von den wiesen nördlich des campus ins studentenviertel ålidhem, wo ein gigantisches festl steigt.

da werden dann flaschen zertrümmert, fernseher aus wohnungen geschmissen, möbel angezündet, fahrräder zerlegt, türen eingetreten etc. es dürfte auch der einzige anlass sein, für den man in umeå einen polizeihubschrauber braucht, um die lage aus der luft zu überblicken.

mal sehen, wie das wird.

Samstag, 19. Mai 2007

swedes are cool.

und das bis zum bitteren ende.

brrrrr!

Sonntag, 13. Mai 2007

3 a. m.



nydala lake at 3 a. m.

beautiful …

Sonntag, 6. Mai 2007

die relativität von gemeinsamkeiten.

ok, vergessen wir einmal kurz, dass heute leider der falsche kandidat gewonnen hat. lassen wir auch beiseite, dass es in umeå noch immer keine zweistelligen plusgrade hat, und es morgen auch noch regnerisch werden soll. vergeuden wir unsere aufmerksamkeit auch nicht mit den pokerspielen von norbert darabos.

beschäftigen wir uns mit etwas wirklich interessantem:
die hervorragende zeit hat kürzlich eine serie über skandinavien begonnen. und in dem artikel „diese netten dänen“ werden zwei ganz zentrale aspekte internationaler vergleiche angesprochen: zum einen die tatsache, dass man positives stärker gewichtet als negatives, und zum zweiten, dass die übertragbarkeit von maßnahmen von einem land auf ein anderes zumeist sehr relativ ist.

besonders einleuchtend ist das natürlich aus der perspektive deutschlands, das als weltwirtschaftsmacht und über-80-millionen-staat schon ganz andere grundvoraussetzungen hat, mal abgesehen von kleinigkeiten wie der wiedervereinigung, die dann vergleiche fast komplett hinfällig macht.

in den genau vier monaten seit meiner ankunft sind mir ähnliche begebenheiten oft untergekommen. zuerst ist man fasziniert von einem ort, an dem vieles anders, aber vieles auch sehr ähnlich ist. besonders erstaunlich, dass die verständigung mit studenten aus der halben welt wohl deshalb mühelos klappt, weil sich alle in einer mehr oder weniger ähnlichen lebensphase befinden. gemeinsam im ausland studieren verbindet, da können die kulturellen differenzen noch so groß sein.

vielleicht hat auch das dazu beigetragen, dass rechte rülpser, die ich früher versucht habe zu meinem eigenen wohlbefinden geflissentlich zu ignorieren, mir mittlerweile unangenehmer denn je aufstoßen.

aber zurück zum thema: was in schweden supergut funktioniert, klappt in österreich deswegen noch lange nicht – und vice versa. vielmehr bestimmt nämlich das, was sozial akzeptiert ist, politisches und wirtschaftliches, öffentliches und privates handeln. und dass es da große unterschiede geben kann, zeigt sich immer wieder an kleinen beispielen. trunkenheit in der öffentlichkeit etwa ist für politikerInnen in schweden – mit ganz, ganz wenigen ausnahmen – ein karrierebeendendes verhalten, während das eine oder andere achtel/krügerl in österreich im wahlkampf nicht fehlen darf.

hintergrund dieses beispiels ist natürlich eine vollkommen unterschiedliche trinkkultur. einer der großen vorteile, aus einer weinbauregion zu stammen, ist der, den gepflegten umgang mit alkohol als genussmittel relativ selbstverständlich kennengelernt zu haben. dagegen befürworten die schweden ihr selbst aufterlegtes alkoholmonopol mit großer mehrheit, weil ja auch so schon unmengen getrunken werden …

so betrachtet relativiert sich vieles – der blick von außen auf die heimat wird sicher differenzierter, der blick auf die neue umgebung aber auch kritischer mit der zeit.

Dienstag, 1. Mai 2007

der erste mai.

während gusi am rathausplatz unangenehmes erfahren muss, ist hier in umeå am ersten mai vor allem ausruhen vom vortag (valborg) angesagt.

valborg ist in schweden ein ausgelassenes studentenfest, dementsprechend wird gefeiert, gesungen und natürlich getrunken. dem schwedischen fernsehen (svt) ist das anlass genug, um eine stunde lang von den valborg-feierlichkeiten am campus umeå zu berichten. auch ein aus mehreren studentenchören zusammengewürfelter chor, in dem ich mitsingen durfte, ist da live zu sehen und hören. und das beste: schwedisches staatliches fernsehen ist komplett im internet abrufbar. hier der link. (falls man pop-up-blocker verwendet muss man nochmal „öppna play“ klicken …).

eine hochinteressanter beitrag über schweden findet sich auch in der zeit. darin kommt auch hagamannen vor, ein serienvergewaltiger, der umeå bis vor gut einem jahr in atem gehalten hat.

heuer gibt es dafür krawall von einigen schwedischen neonazis. als österreicher mutet es schon mehr als befremdlich an, dass sowas hier erlaubt ist.

Mittwoch, 18. April 2007

kan du engelska?

die herren hoffmann-ostenhof und taschner beginnen eine interessante auseinandersetzung über englisch als lingua franca. und beide haben durchaus bedenkenswerte standpunkte vorzubringen. hoffmann-ostenhoff begeistert sich für die weltumspannende verständigungsmöglichkeit, die uns englisch heute bietet, während taschner mit recht darauf hinweist, dass der verständigung durchaus grenzen gesetzt sind, weil englisch in vielen fällen nicht muttersprache ist.

ich erlebe hier ganz ähnliche phänomene. in einer international besetzten gruppe, mit menschen aus dutzenden ländern, ist englisch die einzige möglichkeit zur kommunikation. das hat mehrere konsequenzen: zum einen kapslen sich studenten, deren englisch weniger ausgereift ist, schneller ab, kommen oft in kleingruppen zusammen, die dann französisch, deutsch oder italienisch sprechen.
zum zweiten gibt es für gute englisch-sprecherInnen gerade im universitären leben erhebliche vorteile, bei diskussionen in seminaren und dergleichen. besonders, wenn die sachverhalte komplexer werden, sieht man, dass wenige diskutanten das gespräch an sich binden. und wenn man einmal in eine argumentative konfrontation mit einem native-speaker (hier v. a. kanadier und us-amerikaner) kommt, muss man schon genau wissen, was man sagen will, um nicht aus rein sprachlichen gründen das nachsehen zu haben.

interessant aber ist, dass die sprache selbst sehr oft zum thema von gesprächen wird. dabei habe ich auch den blickwinkel der native speakers kennen gelernt: für die vielen kanadier, us-amerikaner, engländer und iren hier ist es nicht ganz leicht, ständig mit englischer sprache konfrontiert zu sein, die unter ihrem gewohnten konversationsniveau liegt. so grandios der lerneffekt ist, den man als non-native hier erfährt (auch dank viel wissenschaftlicher lektüre auf englisch), so wenig erfreulich ist es oft für natives, mit viel mäßigem englisch konfrontiert zu sein.

trotzdem: sprachliche vielseitigkeit wird hoch geschätzt, und die atmosphäre hier lädt ein zum sprachen lernen. mittlerweile genügt mein schwedisch schon einer alltagskonversation, reicht aber etwa noch lang nicht an das vieler finnen heran, die schwedisch in der schule lernen. aber kaum ein tag vergeht hier, an dem ich nicht zumindest einige minuten in drei verschiedenen sprachen spreche.

richtiges österreichisch ist aber leider nur selten darunter.

Donnerstag, 22. März 2007

was man nicht vermisst

der schmale grat zwischen liebevoll belächelter absonderlichkeit und nervtötender peinlichkeit ist gelernten österreicherInnen ja wohlvertrautes pflaster. während einem also einige dinge und menschen nach zweieinhalb monaten schon abgehen können, gibt es vieles, was man einfach nicht vermisst:

eine kleine auswahl:

1. noen
lokaljournalistische ergüsse, die – mit der zielsicherheit eines besoffenen wildschweins – binnen weniger zeilen den inhaltlichen sprung von klubtagungen österreichischer parlamentsparteien im loisium zur legende vom russen-mit-grünem-veltliner-niedersaufen schaffen. dank an papa für die versorgung mit niederösterreichs unparteiischter övp-zeitung.

2. das „wichtigste bündnis der welt“ (rainer nikowitz) nicht jeden tag in unmittelbarer medialer nähe wähnen zu müssen, ist auch verkraftbar. derstandard.at tut sich trotzdem eine eigene rubrik an. tapfer!

3. verrauchte lokale. kein bisschen vermisst, dafür aber auf etwas gestoßen, das nach meiner rückkehr garantiert ausprobiert wird.

4. hundescheiße auf gehwegen. sorry, ich weiß das thema ist ausgelatscht (manchmal leider im wortsinn). deswegen hier ein aufmunternder link.

5. starmania. einfach so.


p. s.: das kommt morgen nach umeå. yeah!

p. p. s.: das gibt’s nächste woche.

Montag, 12. März 2007

wie man keinen fisch fängt

sonntag, sonnenschein, sommerliche 5 grad – was tun damit? eisfischen! also auf in den bus und ab ans meer. unsereins stellt sich unter eisfischen ja eine ziemlich mühsame und unangenehme (weil kalte und fischtötende) prozedur vor. so kann man sich täuschen.

erst bohrt man ein loch ins eis. geht ganz leich mit dem richtigen werkzeug. dann wurm an den haken (schon ein bissl grauslich, aber es geht auch mit gemüse) und kurbeln. und warten.

CIMG0028
robin, der holländische herrscher über sherwood forest, hat laut eigenen angaben letztes jahr in finnland einen fisch gefangen. na, gratuliere!

und warten.

und warten.

und …

naja, gefangen haben wir nichts, dafür auch keinen fisch töten müssen. hat ja auch was gutes. gegrillte bananen mit schoki haben das ganze abgerundet. und schneemann-bauen mit darauf folgendem schneemann-verunstalten.

and now for something completely different:

das hier gibt anlass zur freude. oder eigentlich das, was in den artikeln nicht steht, wovon aber markus gansterer berichtet. wobei die geschichte über die övp eh nur bekanntes bestätigt. das eigentlich spannende steht im letzten absatz.

bei der grünen jugend niederösterreich tut sich einiges. nicht nur, dass der zustrom an engagierten leuten nicht abreißt. seit kurzem schlägt sich das auch parteiintern nieder. georg ecker und markus gansterer sitzen seit einigen monaten im landesausschuss der grünen nö. und jetzt schaffen es zwei junge grüne auf platz 7 und 10 der landeswahlliste.

vielerorts – und nicht immer zu unrecht – wird der mangel an neuen gesichtern bei den grünen bekrittelt. dass die grüne jugend nö nicht nur raum für engagierte menschen bietet, sondern auch innerhalb der nö grünen akzeptanz und einfluss bekommt, ist ein gutes signal. so verkrustet sind die strukturen also doch nicht.

und wer weiß, wo die kleinen fische von heute morgen sind.

Samstag, 10. Februar 2007

hunde ziehen menschen

vergessen wir für einen moment die neue regierung und ihre internen wickel. vergessen wir auch den herrn obama und seine konkurrentInnen. ja, vergessen wir für einen moment die uni, die studentenfeste und die tatsache, dass neuverhandeln ganz schön witzig sein kann.

und dann. dann setzen wir uns auf einen schlitten. mensch spannt die hunde davor. und entspannt sich selbst.

das geht so:



p. s.: „we dine well here in camelot, we eat ham and jam and spam a lot …“

Sonntag, 28. Januar 2007

was ist los in umeå?

da gedenkt man einen ruhigen sonntag zu haben, aber nein, die schlagzeilen aus umeå erreichen sogar österreich:

zuerst stürzt gestern abend bei einem mando diao-konzert in der norrlandsoperan der fussboden ein. auf der pre-party, auf der ich gestern war, war ich der einzige, der mangels ticket NICHT zu diesem konzert gehen sollte. soweit ich mich umgehört hab, ist aber niemand von meinen bekannten hier unter den verletzten.

danach gibt es eine meldung über eine bombe in östra ersboda, das ist ein, zwei kilometer nördlich von meiner wohnung.

die stadt hat's in sich.

ich jedenfalls geh es heute ruhiger an und absolviere ein vorsingen für den umeå studentkör. hoffentlich wird's was.

updates bezüglich der beiden meldungen oben folgen …

- - - - -

23:31, zeit für ein update:

die bombe, falls es eine war, ist kontrolliert gesprengt worden. endlich hab ich auch davon einen englischen bericht gefunden. viel über die zusammenhänge, die hinter der sache stehen, ist aber noch nicht bekannt.

bezüglich des unglücks beim konzert in der norrlandsoperan konnte ich herausfinden, dass einige meiner kollegen ebenfalls unter den gestürzten personen waren. sie laufen jetzt mit ziemlich groben schrammen an rücken und schultern herum. einer hat am kopf genäht werden müssen. hier ein privatfoto vom unglücksort.

und was erfreuliches gibt's auch: ich wurde in den studentkör aufgenommen. morgen ist die erste probe. während mein wochenende also denkbar gemächlich verlaufen ist, beruhigt sich die stadt erst jetzt.

laurenzennser

„Nationalökonomie ist, wenn die Leute sich wundern, warum sie kein Geld haben.“ (Kurt Tucholsky)

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laurenz ennser, *1982
• studienassistent institut f. soziologie (uni wien) • student (politikwissenschaft)
• gemeinderat (langenlois/nö)

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