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umwelt, klima, energie

Dienstag, 6. Januar 2009

wer wem gas gibt.

pünktlich zu jahresbeginn fängt das altbekannte spiel an. russland dreht den gashahn zu und in europa geht uns der reis. ein plötzlicher einbruch der russischen importe auf 10 % der normalmenge ist tatsächlich ein alarmsignal. eines, das unterstreicht, dass energieautarkie nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch politisch ungemein wertvoll sein kann.

hier ein paar fakten zum österreichischen gasverbrauch:

ergdas
quelle: statistik austria

der endverbrauch schießt seit jahrzehnten ungebremst in die höhe. den allergrößten teil des erdgas-bruttoinlandsverbrauchs importiert österreich. die importe stammen zu rund drei viertel aus russland. genauere zahlen hier.

vorerst reichen die gasreserven in österreich für drei monate. ob es uns mit unserer abhängigkeit aber nicht langsam reichen sollte – das ist die eigentliche frage.

Freitag, 21. November 2008

fußabdruck & bip.

der ökologische fußabruck misst den ressourcenverbrauch eines staates. hier sehen wir den zusammenhang mit dem bruttoinlandsprodukt (beides pro kopf). man beachte, dass die x-achse logarithmisch skaliert ist, d. h. der zusammenhang ist tatsächlich noch krasser als er hier optisch erscheint.

Neues-Bild
x-achse: bip in us-dollar/kopf
y-achse: fußabdruck in global hectar/kopf


die einheit für den fußabdruck ist global hectar, ein maß für die durchschnittliche biologische kapazität der erde. reiche staaten haben ganz logisch einen viel höheren anteil am globalen ressourcenverbrauch als arme. reichtum wird also nur durch die ausbeutung natürlicher ressourcen möglich. die tragfähigkeit des planeten liegt momentan übrigens bei knapp über 2 global hectar pro person. praktisch alle industriestaaten überschreiten dieses maß um mehr als das doppelte.

Mittwoch, 19. November 2008

klima & entwicklung.

dritter teil der ungeplanten statistik-serie: klimaschutz und menschliche entwicklung. bekanntlich ist österreich ja eines jener länder, die ihr kyoto-ziel um längen verfehlen werden. gegenwärtig befinden wir uns bei rund plus 20 % statt bei minus 13 %. hier sehen wir die entfernung vom kyoto-ziel (daten aus 2006) auf der y-achse, den human development index auf der x-achse:

kyoto
roter punkt = österreich


jeder punkt repräsentiert einen staat mit reduktionsziel (so genannte annex-I-staaten), auch die usa sind inkludiert, obwohl sie das kyoto-protokoll nicht ratifiziert haben. staaten im plus-bereich liegen über ihrer reduktionsverpflichtung, staaten im minus-bereich übererfüllen sie.

man erkennt: für den gesamtrückgang der emissionen (rund 5 prozent für alle annex-I-staaten) sind hauptsächlich niedriger entwickelte staaten verantwortlich. der absolute großteil davon geht zurück auf den zusammenbruch der wirtschaft in den ländern des ehemaligen ostblocks.

tatsächliche reduktionsmaßnahmen sind nur in einigen ländern geglückt: schweden, großbritannien, in geringerem ausmaß in frankreich und holland.

Mittwoch, 24. September 2008

i’ve seen the future.

die zukunft österreichs hat schon begonnen. im hintersten winkel des landes, im burgendländischen güssing. heute hab ich bei einem besuch im dortigen europäischen zentrum für erneuerbare energien und bei einigen besichtigungen von biomasse- und biogas-anlagen einen eindruck davon bekommen, wohin in ganz österreich die entwicklung gehen müsste. theoretisch weiß man das alles mehr oder weniger schon lange, aber die konkrete erfahrung vor ort vermittelt eine andere qualität der überzeugung.

was ist in güssing passiert? vor knapp 20 jahren hat der gemeinderat in der hauptstadt des damals ärmsten bezirks österreichs einen beschluss gefasst: vollkommener ausstieg aus fossilen energieträgern.

begonnen hat es mit der erzeugung von heizwärme aus biomasse (holz), bezogen aus den wäldern, die 45 % der bezirksfläche ausmachen. heute stehen im bezirk güssing 32 kraftwerke, die strom, wärme, biogas, bio-erdgas, sowie synthetischen diesel und benzin erzeugen.

das prinzip ist einfach: ein österreichischer haushalt gibt pro jahr durchschnittlich 3500 euro für energie (heizen, strom, treibstoff) aus. ein teil dieses geldes landet beim finanzminister, der größere verteilt sich auf mineralölkonzerne – fließt also aus regionalen kreisläufen ab.

wenn es gelingt, die ausgaben für energie (zumindest teilweise) in die regionale wirtschaft zurückzuführen, bedeutet das eine gigantische steigerung der regionalen wertschöpfung. die kaufkraft steigt, wovon auch viele andere gewerbetreibende profitieren.

in güssing (die stadt hat rund 4000 ew) sind dadurch seither über 1000 arbeitsplätze in verschiedensten beschäftigungsfeldern entstanden. die kommunalsteuereinnahmen für die gemeinde sind durch betriebsansiedelungen um mehr als eine million euro angestiegen. und auch nicht schlecht: die heizkosten der güssingerInnen liegen deutlich unter jenen des österreichsichen durchschnitts. zudem kann diesel und benzin synthetisch um einen preis von rund 60 cent pro liter erzeugt werden. für all diese leistungen wird der jährliche waldzuwachs in der region aber nur zu 40 % (!) beansprucht.

in güssing hat man erkannt, dass die energiewende die grundlage für die wende zum nachhaltigen wirtschaften ist. jede wirtschaftsleistung benötigt energie. diese energie (oder die rohstoffe dafür) muss im normalfall zugekauft werden. der große unterschied liegt darin, wohin das geld geht. stellen wir uns vor, jene milliarden, die pro jahr aus österreich via gazprom und co. nach russland und in den nahen osten abfließen, könnten nur zur hälfte in österreich investiert werden – was damit alles möglich wäre!

solche energiepolitik muss die grundlage jeder wirtschaftspolitik sein. und ja: auch dafür stehen am kommenden sonntag die grünen zur wahl.

Mittwoch, 3. September 2008

klimaschutz kostet – kein klimaschutz kostet mehr.

der standard bringt einen bericht und eine kommentar zu österreichischen versäumnissen in der klima- und umweltpolitik. kurzfassung: österreich gibt in den jahren 2008 bis 2012 rund 530 millionen euro für emissionszertifikate aus. wahrscheinlich werden es mehr sein, weil der preis für eine tonne co2 eher steigen als fallen wird.

diese 530 millionen sind der preis dafür, dass wir den energieverbrauch im verkehr und im wohnbereich völlig außer kontrolle geraten lassen haben. dazu kommen noch recht saftige strafzahlungen, falls wir mit den zugekauften zertifikaten das kioto-ziel noch immer nicht erreichen. der kyotozähler zeigt die drastische fehlentwicklung der emissionen in österreich auf.

für den wahlkampf heißt das dreierlei:

1. die övp-klimapolitik verdient ein „nicht genügend“. josef pröll hat sich seinem ressort in der regierung gegenüber bartenstein (wirtschaft, energie) und faymann (verkehr) nie durchsetzen können, selbst wenn er es ernsthaft vorgehabt hat. dieses ressort gehört endlich in fähige (und willige) hände.

2. die grünen müssen das thema weiter forcieren. selbst wenn vernünftige energiepolitik und teuerung auf den ersten blick schwer vereinbar sind. denn eines muss man klar und deutlich sagen: die hunderten millionen, die österreich in den kommenden jahren für eine verfehlte verkehrs-, infrastruktur- und wohnbaupolitik hinlegen muss, schmälern den spielraum für entlastungen gewaltig ein.

3. diese knappe aber ehrliche botschaft müssen wir formulieren: klimaschutz kostet – aber kein klimaschutz kostet viel mehr.

Samstag, 7. Juni 2008

euro forever!

nein, ich bin nicht durchgeknallt. meine euro-euphorie hält sich in den grenzen grundsätzlicher freude über hoffentlich viele gute fußballspiele. das „forever“ im titel bezieht sich ganz konkret auf einige maßnahmen, die (leider, fürchte ich) keine grüne regierungsbeteiligung zustande bringen würde, wohl aber die euro zu wege gebracht hat.

dazu gehören z. b. ein autofreier ring, züge ins wiener umland bis weit nach mitternacht, ebenso u-bahn-fahrten bis halb zwei, …

die euro kann vorbei gehen, aber wieso behält man diese dinge nicht einfach?

Freitag, 6. Juni 2008

raus aus euratom!

so, über den störfall im akw krsko ist bereits vieles geschrieben worden. ich will ein paar grundsätzliche überlegungen anstellen:

in österreich gibt es einen seit der zwentendorf-abstimmung gewachsenen politischen konsens darüber, atomkraft nicht als energiegewinnungsform in betracht zu ziehen. das ist prinzipiell löblich, wenn auch die realität der österreichischen stromversorgung dem hehren vorsatz gar nicht folgen mag.

aber zu etwas anderem: warum nimmt die österreichische bundesregierung störfälle wie den in krsko nicht zum anlass, um einen austritt aus dem euratom-vertrag zu forcieren? mittlerweile ist klar, dass ein einseitiger austritt völkerrechtlich möglich ist und auch die eu-mitgliedschaft davon nicht betroffen wäre. sogar der oberösterreichische landtag hat (*grünes schulterklopf*) schon eine resolution für den euratom-austritt verabschiedet. immerhin fließen 40 millionen euro steuergeld jährlich aus österreich ins europäische kernenergiewesen.

wenn es also einen anti-atomkraft-konsens in österreich gibt, warum passiert dann nichts? ist die bundespolitik zu feig? das glaub ich nicht, immerhin hat man zu anderen anlässen recht großspurig mit einem veto gedroht. oder ging’s damals tatsächlich (aber vergeblich) nur um den wahlerfolg der steirischen vp?

Donnerstag, 29. Mai 2008

autofahren ist noch immer zu billig.

der benzinpreis hat sich in den vergangenen fünf jahren fast verdoppelt. vor einiger zeit habe ich darauf hingewiesen, dass die realen treibstoffkosten, d. h. inflationsbereinigt, viel weniger stark angestiegen sind als die allwöchentliche schrecksekunde an der zapfsäule vermuten ließe.

heute zu etwas anderem. mobilität in form von verkehr bringt nicht nur nutzen für den einzelnen und die gesellschaft, sondern bürdet der allgemeinheit auch kosten auf, die nicht im preis der mobilität (anschaffungskosten, versicherung, treibstoff, …) enthalten sind. eine studie der allianz pro schiene zeigt folgendes bild von externen (d. h. von der gesellschaft zu tragenden) kosten des verkehrs:

extverk

natürlich gerät man angesichts der steigenden preise von benzin und diesel in eine zwickmühle. einerseits ist ökologisches umdenken nur möglich, wenn treibstoffe nicht zu billig sind. andererseits tun sich eine menge soziale probleme auf, wenn mobilität für viele menschen schwer leistbar wird.

die einzig realistitsche möglichkeit, ökologische probleme zu lösen ohne soziale zu erzeugen lautet: öffis, öffis, öffis. und da fragt man sich schon, wie es sein kann, dass die asfinag schulden ohne ende machen kann, ohne dass jemand beim straßenbau nach kostendeckung fragt – ein argument, dass bei jeder regionalbahn sofort ins treffen geführt wird.

Samstag, 17. Mai 2008

der demokratische fußabdruck.

je demokratischer ein land, desto größer sein ökologischer fußabdruck. so könnte man vereinfachend sagen, wenn man folgendes bild ansieht:

DXEFP

jeder punkt steht für einen staat. auf der x-achse ist der grad der demokratie (gemäß demokratie-index des economist) abzulesen, die y-achse stellt die größe des ökologischen fußabdrucks pro kopf dar (gemessen in global hectar, daten vom global footprint network).

bleibt die frage: können demokratien ihren fußabdruck schrumpfen?

Freitag, 2. Mai 2008

ökoschulden.

folgende karte findet sich im living planet report 2006 des wwf. dort wird anhand einer vielzahl von indikatoren der ökologische fußabdruck aller länder bestimmt.

World-Eco-Debt

rot bedeutet, dass ein land ökologische schulden hat: sein ökologischer fußabdruck ist größer als seine biokapazität (hellrot: 0 bis 50 % größer, dunkelrot: mehr als 50 % größer).

grün bedeutet genau das gegenteil: die vorhandene biokapazität ist größer als der fußabdruck (hellgrün: 0 bis 50 % größer, dunkelgrün: mehr als 50 % größer). diese länder sind sozusagen ökologische gläubiger, die anderen quasi kredit gewähren.

österreich ist übrigens hellrot.

laurenzennser

„Nationalökonomie ist, wenn die Leute sich wundern, warum sie kein Geld haben.“ (Kurt Tucholsky)

who?

laurenz ennser, *1982
• studienassistent institut f. soziologie (uni wien) • student (politikwissenschaft)
• gemeinderat (langenlois/nö)

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