die zukunft österreichs hat schon begonnen. im hintersten winkel des landes, im burgendländischen güssing. heute hab ich bei einem besuch im dortigen
europäischen zentrum für erneuerbare energien und bei einigen besichtigungen von biomasse- und biogas-anlagen einen eindruck davon bekommen, wohin in ganz österreich die entwicklung gehen müsste. theoretisch weiß man das alles mehr oder weniger schon lange, aber die konkrete erfahrung vor ort vermittelt eine andere qualität der überzeugung.
was ist in güssing passiert? vor knapp 20 jahren hat der gemeinderat in der hauptstadt des damals ärmsten bezirks österreichs einen beschluss gefasst: vollkommener ausstieg aus fossilen energieträgern.
begonnen hat es mit der erzeugung von heizwärme aus biomasse (holz), bezogen aus den wäldern, die 45 % der bezirksfläche ausmachen. heute stehen im bezirk güssing 32 kraftwerke, die strom, wärme, biogas, bio-erdgas, sowie synthetischen diesel und benzin erzeugen.
das prinzip ist einfach: ein österreichischer haushalt gibt pro jahr durchschnittlich 3500 euro für energie (heizen, strom, treibstoff) aus. ein teil dieses geldes landet beim finanzminister, der größere verteilt sich auf mineralölkonzerne – fließt also aus regionalen kreisläufen ab.
wenn es gelingt, die ausgaben für energie (zumindest teilweise) in die regionale wirtschaft zurückzuführen, bedeutet das eine gigantische steigerung der regionalen wertschöpfung. die kaufkraft steigt, wovon auch viele andere gewerbetreibende profitieren.
in güssing (die stadt hat rund 4000 ew) sind dadurch seither über 1000 arbeitsplätze in verschiedensten beschäftigungsfeldern entstanden. die kommunalsteuereinnahmen für die gemeinde sind durch betriebsansiedelungen um mehr als eine million euro angestiegen. und auch nicht schlecht: die heizkosten der güssingerInnen liegen deutlich unter jenen des österreichsichen durchschnitts. zudem kann diesel und benzin synthetisch um einen preis von rund 60 cent pro liter erzeugt werden. für all diese leistungen wird der jährliche waldzuwachs in der region aber nur zu 40 % (!) beansprucht.
in güssing hat man erkannt, dass die energiewende die grundlage für die wende zum nachhaltigen wirtschaften ist. jede wirtschaftsleistung benötigt energie. diese energie (oder die rohstoffe dafür) muss im normalfall zugekauft werden. der große unterschied liegt darin, wohin das geld geht. stellen wir uns vor, jene milliarden, die pro jahr aus österreich via gazprom und co. nach russland und in den nahen osten abfließen, könnten nur zur hälfte in österreich investiert werden – was damit alles möglich wäre!
solche energiepolitik muss die grundlage jeder wirtschaftspolitik sein. und ja: auch dafür stehen am kommenden sonntag die grünen zur wahl.